4. Januar 2018 Verlobung
1. August 2018
23. - 25. Oktober 2018
Verlobung und Partnerschaftsbeziehung mit Dave

Ich habe mich mit einem jungen Mann, Dave aus England, verlobt.

 

Im Oktober lernte ich Dave beim Rollenspiel bei einem Event kennen. Dave ist sofort auf mich angesprungen. Er ist schwul und steht auf ältere Männer. Dass er meine Körpernähe sucht, macht mich glücklich. Als Physiotherapeut hat er Hände, die mir wohltun. Als Mensch hat er eine Inspiration, die meine Seele erhebt. Nach der Zeit mit Markus war das für mich wichtig.

Auch wenn zur Zeit eine Heirat nicht zur Debatte stehen, weil wir unsere Lebensräume in verschiedenen Ländern haben - er lebt in England, haben wir uns entschlossen als Partner für einander da zu sein.

Während einer Auszeit in den las ich ein Buch, das Ereignisse der Märzrevolution von 1848 behandelt; und wie jeder Roman enthält er eine Liebesgeschichte. Bisher hatte ich keinen Zugang zu solchen Geschichten. Nun plötzlich brannte mein Herz. Ich fühlte, wie eine Energie in mir wach wird. Ich kann seine Zuwendung zu mir nicht abwehren, sondern ich will sie zulassen und selbst die Nähe zu ihm suchen.

Ich stürze mich in kein Abenteuer, sondern es ist, wie damals der Weg nach Berlin mein Lebensweg. Der Gedanke, dass ich seit dem ich erwachsen bin, zum ersten Mal Liebesgefühle bekommen habe, und diese, wenn ich sie nicht für mich zulasse nie wieder kommen werden, bestärkt mich zu diesem Schritt. Und dann weiß ich, dass jeder meiner Lebensschritte sich als "alternativlos" erwiesen haben.

Am ersten Wochenende im August stand für mich wie üblich das Kulturfestival "Trommer Sommer" auf dem Programm. Dieses Jahr bin ich mit Dave dort gewesen und es war anders als sonst. Dave bracht zwei Freundschaftring mit. An meinem Geburtstag stecken wir uns diese Ringe an. Seit dem sind wir sichtbar für jeden ein "Paar". Wir hatten wunderschöne Tage auf der Tromm. Die Vorstellungen, die wir besuchten, unterstrichen thematisch unsere ersten gemeinsamen Tage. 

Im Oktober gibt es noch einen krönenden Abschluss der "Flitterwochen", wenn wir zwei Tage in einem Hotelzimmer, das nach meinem Freund Bernd benannt ist, verbringen dürfen; ein Geschenk von ihm. 

Führe uns in Versuchung

The Saxony Penitentiary 100

20. Oktober 2017 12:00 bis 24. Oktober 2017 16:00

 

Nachdem ich mein Engagement mit Markus beendet hatte, wollte ich mir eine Auszeit gönnen. Ich wollte mich wieder einmal einer körperlichen und emotionalen Herausforderung stellen. Es bot sich an, was ich bereits in meinem Film absolvierte – ein Rollenspiel in der Haft.

Für die Performance habe ich eine fiktive Geschichte erdacht.

 

Die handelnden Personen:

Aktivist:  Klaus Johannes Wolf

Gefängnisdirektor/Staatsanwalt:  Nick

Gefängnisaufseher:  Gino

Wärter:  Dave

Die Geschichte behandelt die Zeit des Aufbruchs der demokratischen Bewegung im 19. Jahrhundert. Ein Aktivist der Arbeiterbewegung wird in einer sächsischen Kleinstadt von der Polizei aufgegriffen und in das nahe gelegene Gefängnis eingeliefert. Dort gerät er in die Mühlen der Justiz.

Im Gefängnis angekommen wird er im Keller in eine kerkerähnliche Zelle gebracht, muss alle seine Sachen abgeben; Rucksack, Kleidung und Wertsachen. Ab sofort wird er nur noch Sträflingskleidung mit der Aufschrift „JVA Grossenhain prison“ tragen und hundert Stunden mehr oder weniger in Ketten in einer Gefängniszelle verbringen.

Ein Wärter öffnet die Zellentür und bringt den einbehaltenen Rucksack mit. Alle Gegenstände werden einzeln ausgepackt und untersucht. Er lässt keine erkennbare Tasche im Ranzen aus. Er findet schließlich auch einen Stoß mit Flyern, in der zu einer Volks-Kundgebung aufgerufen wird. Die Flyer hatte der Aktivist in einer versteckten Tasche seines Rucksacks verstaut. Politische Propaganda ins Gefängnis einzuschleusen ist sträflich verboten. Das weiß auch der Aktivist. Dem Wärter ist sofort klar, er muss Meldung bei seinen Vorgesetzten machen. Es dauert auch nicht lange, dass der Mann der Tat zum Verhör vorgeführt wird. Die Frage der weiteren Untersuchung ist, wer hat diesen Aufruf verfasst und warum wurde er ins Gefängnis mitgebracht.

Egal, wie der Aktivist argumentieren wird, eine Bestrafung wegen unerlaubten Besitz von politischen Schriften ist unerlässlich. Mit harten Prügelstrafen, wie damals üblich, soll der Delinquent zur Rechenschaft gezogen werden.

Auch wenn der Staatsanwalt, der die Verhöre übernommen hat, seine Sympathie für die Forderungen der demokratischen Bewegung bekundet, lässt nicht beeindrucken und so einfach Gnade vor Recht ergehen.  Er muss mit allen Mitteln den Aktivisten zum Geständnis bewegen.

 

Dieser wiederum bekundet beharrlich seine Unschuld. Den Aufruf habe die Druckergewerkschaft verteilt und er wüsste nicht, wer die Verantwortlichen wären. In der Tat, zur Zeit des demokratischen Aufbruchs wurden Vereinigungen von Arbeitnehmervertretern gegründet, und die Druckereigewerkschaft war eine der ersten ihrer Art. Die Gewerkschaftler treffen sich in der Gaststätte „Roter Hahn“, der als Versammlungsort der Arbeiterbewegung bekannt ist. Ihr Name ist Programm. Gerhart Hauptmanns Stück ist der Namensgeber der Kneipe.

Er, aber auch Käthe Kollwitz, eine Künstlerin, die die verheerenden Umstände der Ausbeutung in ihren Arbeiten wiederspiegelt und Hugo von Hoffmannsthal, dem Urheber des Deutschland-Lieds, dessen dritte Strophe heute die deutsche Nationalhymne ist, zählen zu den Gästen, die dort auftreten sind.

Der Staatsanwalt scheint jene nicht zu kennen. Zumindest sind die Personen nicht polizeibekannt. Andere Personen, wie Lasalle, Bebel oder Wilhelm Liebknecht, alle frühe Führer der Sozialdemokratie, scheinen ihn nicht zu überzeugen. Niemand der genannten kann als Zeuge auftreten. Auch nicht Politiker der jüngeren Geschichte, die sich für Einigkeit, Recht und Freiheit einsetzen, und die der Aktivist als Bürgen nannte. Nach vier vergeblichen Versuchen, seine Überzeugung zu verteidigen, gesteht er schließlich ein, dass er den Aufruf verfasst habe. Er wollte mit dem Einschleusen der Flyer ein Zeichen gegen die reaktionär-restaurativen politischen Kräfte demonstrieren. Ihm sei gelungen, die Anliegen der demokratischen Bewegung auch ins Gefängnis zu tragen und die dort Verantwortlichen für diese Ziele zu gewinnen.

 

 

Am 18. März und am 9. November treffen sich Frauen und Männer auf dem Friedhof der Märzgefallenen, um der Märzrevolution und ihres vermeintlichen Scheiterns zu gedenken. Mir sind die Grundwerte der Demokratie, wie ich sie im Flyer manifestiert habe, ein großes Anliegen (siehe auch ehrenamtliche Betätigung – Paul Singer Verein).

 

Es ist auch eine Geschichte der menschlichen Nähe. Nick, Dave und ich haben in den Stunden eine Freundschaft entwickelt. In unendlichen Gesprächen haben wir viel Gemeinschaftliches entdeckt. Wir wollen noch viele genauso intensive Begegnungen haben.  Ich sehe für mich eine neue Lebensperspektive.

 

„Silversex“

Theaterstück mit den Lovefuckers Berlin

 

Premiere 19. / 20.05.2016

 

Für eine Theaterperfonance an den Berliner Sophiensaelen wurde ich angefragt, als Protagonist mitzuwirken.

 

Die Spielfläche ist leer. Hinten gibt es einen Vorhang, auf den Videoaufnahmen der Interviews projiziert werden, die die Gruppe vorab geführt hat. Doch zuerst betreten die beiden Hauptdarsteller selbst die Bühne. Sie sind nackt.

Unangenehme Fragen. Wer denkt schon gern über die Probleme des Altseins nach? Doch in den Interviews sind ziemlich lebenslustige Rentner zu sehen. Vor der Kamera sprachen natürlich nur die, denen das Thema nicht peinlich ist. Andere ließen sich per Telefon interviewen. In den Geschichten, die an dem Abend erzählt werden, ist immer wieder von Überraschungen die Rede, die verschiedene Lebensabschnitte bereithalten. Offenheit ist gefragt - und das nicht nur im Sexleben.

(Deutschlandfunk, Oliver Kranz, 2016)

 

Und nun erlebe ich einen begeisterten Auftritt in den Sophiensaelen in Berlin. Ich bin glücklich über das Zusammenspiel mit der Gruppe. Die Theatermacher sind auf meine Bedürfnisse eingegangen. Von Beginn an nehme ich an der Weiterentwicklung des Stückes teil. Mein Part ist mich selbst darzustellen, meine Ausdrucksweise sichtbar zu machen und einfach auf das Publikum wirken zu lassen, als einer von mehreren "Silver-Age", die in dem Bühnenwerk vorgestellt werden.

„Der Unfertige“ von Jan Soldat

Premiere 15. / 16.11.2013 in Rom

 

Weit kommt er nicht: zwei, drei Schritte auf die Kamera zu, dann halten ihn die Ketten zurück, die zur schlichten Bettstätte hinter ihm führen. Nackt, verwundbar, entblößt und doch in seinem nervösen, gedrungenen Schalk eigensinnig souverän steht er nun vor uns. Ein Gefangener nicht nur der Ketten, die schwer an ihm hängen, sondern auch des unverwandt starren Bildkaders, der vom Raum nur wenig mehr preisgibt als das Bett, auf dem sich dieser Mann uns eingangs vorstellt: „Odenwald-Gay. Oder Gollum. Oder Klaus! 60 Jahre alt, schwul. Sklave!“

(TAZ, Thomas Groh, 2014)

 

Vor drei Jahren begegnete ich Jan Soldat, einem Filmemacher. Mit ihm habe ich den Film "Der Unfertige" gedreht. Als wir (Jan und ich) uns zur ersten Begegnung trafen, war ich auch schon nackt. Er war zu Beginn etwas irritiert, weil es für ihn eben ungewöhnlich war, weil er selten nackten Menschen so lange gegenüber saß. Einen nackten Menschen anzusehen bedeutet, ihn vor sich zu haben wie er ist. Dies war auch meine Absicht. Er hatte verstanden, dass es zu mir gehört mich so zu zeigen, wie er eben mit Jeans und Pullover rumlaufe. Ich, das sind meine Synonyme „odwgay“ und „Gollum“.

 

Letzeres wurde mir zugeteilt weil ich an die Figur aus dem Film „Herr der Ringe“ erinnere. „Gollum“ wiederum leitet sich von der Sagengestalt „Golem“ ab; was so viel bedeutet wie „der Unfertige“. Es geht mir um ein Rollenspiel. Es ist mir ein Anliegen, mich während des Films nackt zu zeigen. Als Sklave ist dies möglich. Hals-, Fuß- und Armbänder trage ich als Sklave, weil ich mich nach Ketten sehne. Angekettet merke ich, dass sich mein Bewegungsradius eingeschränkt hat. Der Film ist eine Auseinandersetzung mit meinem Lebensschicksal.

https://www.german-films.de/filmarchive/browse-archive/view/detail/query/u/pos/20/film/incomplete-the/index.html

Fotoshooting 2011

c-k-photo.de

 

 

Als ich vor rund 16 Jahren den Theatermacher Jürgen Flügge kennenlernte, dachte ich noch nicht daran einmal vor Publikum aufzutreten. Ich war damals noch sehr schüchtern und in meinem "Minderwertigkeitskomplex" gefangen. "Da, wo 50 Leute sich versammeln, sind 100 zuviel," so meine Gefühle damals. Jürgen Flügge - auf der Suche nach jemanden, der ihn bei der Steuer unterstützt - kam zu mir, als ich gerade in das Odenwalddorf Grasellenbach-Scharbach umgezogen war. Er erzählte mir von seinem Projekt Hoftheater Tromm, und er lud mich zu einer Vorstellung ein.

 

Es war eine Kindervorstellung, die mein Leben veränderte. Ich wurde von dem Stück so berührt. Es griff ein Thema auf, welches mich über 40 Jahre beschäftigt hatte. Nach der Vorstellung fasste ich mir ein Herz, sprach die beiden Schauspielerinnen an, und erzählte von meinen Gefühlen, die ich während der Vorstellung hatte.

Ich lernte Jan Gebauer, einen jungen Schauspieler, der auf der Tromm gastierte, kennen und wir freundeten uns an. Auch mit ihm kam ich ins Gespräch.

 

Und schließlich an meinem 50. Geburtstag hatte ich ein Erlebnis, das den Durchbruch schaffte. Bülent Ceylan war zu Gast auf der Tromm. Er ergab sich, dass wir an diesem Abend in einen Schlagabtausch zwischen dem kurpfälzierischen und schwäbischen Dialekt getreten sind. Es hat uns beiden mächtig Spaß gemacht. Bülent bat mich am Ende auf die Bühne, und das zahlreiche Publikum sang mir das Geburtstagsständchen.

 

Das war ein Erlebnis, welches mir Mut machte, mich zu entäußern. Ich begann mich mit meiner Persönlichkeit konkret auseinanderzusetzen. Beispiele: Rasur des Schädels als Bejahung meiner Missbildung am rechten Ohr; das Tragen meines Armyfetisches in der Öffentlichkeit; Fotosession; Mitmachen beim Folsom Straßenfest als Schuhputzsklave; Mitmachen bei Events – wie Sklavenlager und Knast.

 

Es dominiert in den entsprechenden Szenen die Neutralität, die hier nicht hoch genug einzuschätzende tendenzielle Teilnahmslosigkeit der Inszenierung. Die kalten, abweisenden Räumlichkeiten eines sogenannten Sklavencamps, an welchem Wolf zur Kultivierung seines Unterwerfungshabitus teilnimmt, erscheinen genauso unnahbar wie die Sexualpraktiken selbst, wenn er sich von den dortigen Wärtern zunächst bereitwillig schikanieren, auf sich urinieren und schließlich auf sein Gesäß einpeitschen lässt.

 

„Es geht mir nicht darum, Zärtlichkeit in anderen Männern zu finden. Das, was ich suche, ist Verständnis“, erklärt er gegen Ende das seinem Handeln obliegende Versprechen. Und gerade das scheint auch der Ertrag dieses wunderbaren Films, nach all dem Zuhören, nach all dem Schauen, zu sein: Nicht die Dinge selbst werden uns Zuschauern nähergebracht, sondern die Tatsache, dass sie diesen einen, bestimmten Menschen glücklich machen und ihr simples Bestehen somit mehr als nur gerechtfertigt ist.

 

Irgendwo wohnt in uns allen doch ein Unfertiger, jemand, der sehnsüchtig etwas sucht, eine Schmerzlinderung, ein kleines, noch so unscheinbares Glück und es im Trubel des Gewohnten und Selbstverständlichen häufig aus den Augen verliert.

(NEGATIV, Michael Brodski, 2013)